Zechgemeinschaft Mühldorf

Zechmeisterpaar 2019: Markus Höring und Jennifer Beierl
Zechgemeinschaft Mühldorf
Zechgemeinschaft Mühldorf

 

Im Jahre 1934 schlossen sich einige Mühldorfer zusammen und gründeten die Zechgemeinschaft. Diese war damals eine reine Männerangelegenheit, nur ein Mädchen wurde jedes Jahr auserkoren, die Zechkellnerin zu spielen. Diese war in Folge gemeinsam mit dem Zechmeister für die Organisation des Kirchtages verantwortlich.

Das Datum des Kirchtagwochenendes hängt vom 24. August, vom Bartholomäustag, des jeweiligen Jahres ab, und findet folglich entweder am vorletzten oder am letzten Augustwochenende statt. An diesem Feiertag fand sich nach der Heiligen Messe der ganze Ort vor dem Gasthaus "Zum Richter" ein und dort wurde dann, zuerst mit ein paar Blechmusikanten, später mit der Trachtenkapelle Hopfgartner, gefeiert. Am Abend gab es die Tanzunterhaltung im bereits genannten Gasthaus. Diese Unterhaltung dauerte bis spät in die Nacht und der Kirchtmontag war ein sogenannter blauer Montag (die Arbeit ruhte). An diesem Montag gab ese einen schönen Brauch, der leider verlorengegangen ist, das "Kirchtagseingraben". Dabei wurde ein Zechbursch mit einem Fass Bier in einen Schubkarren gesetzt und in einer großen, lauten Prozession in die Schattseiten gefahren, wo er dann unter Tränen und Anwesenheit eines unechten Pfarrers (ein verkleideter Zechbursch) mit einer leeren Brieftasche eingegraben wurde. Freilich nur zum Spaß, er wurde wieder befreit. Böllerschießen und Tuschspielen gehörten schon damals zum Kirchtag dazu. Der Fackelumzug kam wahrscheinlich erst nach den beiden Kriegen und der Nachkirchtag ist auf alle Fälle eine neuere Erfindung. In den Kriegsjahren wurde der Kirchtag ohne Zechburschen gefeiert, unter Hitler wurde er dann zum Erntedankfest umbenannt. Damals gab es auch Unstimmigkeiten im kleinen Ort und es fanden zwei getrennte Feierlichkeiten in Mühldorf statt. Beim Gasthaus Peharz zum einen und zum anderen in der Ortsmitte beim Gasthaus "Zum Richter" (Pucher). Aber der Streit hielt nicht lange an und 1950 wurde wieder gemeinsam gefeiert.

Bei der Neugründung nach dem Krieg waren Wilfriede Winter und Hans Angerer die Initiatoren. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Trachtenkapelle Hopfgartner bereits, die ihn musikalisch verschönerte - einmal war sie sogar zuständig für das Ausrichten dieses Dorffestes, in einem Jahr, als sich keine Zechgemeinschaft zusammenfinden konnte.

Ab den späten 1950er jahren durften auch Mädchen der Zechgemeinschaft beitreten. Es entstand in Folge der schöne Brauch, dass der Zechbursche das Mädchen am Tag vor dem Kirchtag zuhause besuchte und dort gemeinsam mit der Familie aß, um sie dabei zu fragen, ob sie mit ihm auf den Kirchtag gehen wolle. Auch heute noch wird der Zechbursche am Samstag vom Zechdirndln zum Essen eingeladen und am Kirchtag muss der Zechbursch seinem Zechdirndln ein Lebkuchenherz schenken.

Nach dem Bau des Kultursalles verlagerten sich die Festlichekiten in diesen, wo die Zechburschen zuerst nur eine kleine Schnapstheke hatten und sich andere Wirtsleute auch einen Platz sicherten. Mit der Zeit wurde der Zechgemeinschaft aber immer mehr Platz auf den Veranstaltungen eingeräumt. Währenddessen musizierte die Hopfgartnerkapelle freilich nicht mehr.

Einige Mitglieder aus der Zech spielen auch bei der im Jahr 2000 entstandenen Dorfmusik. Weil sie sich nicht zweiteilen können, fand man für diesen Anlass einen Kompromiss: Einzig am Vorabend des Mühldorfer Kirchtags, beim traditionellen Fackelumzug, der ebenfalls jährlich von der Zechgemeinschaft organisiert wird, spielt die Trachtenkapelle Kolbnitz. Am Sonntagmorgen nach der Messe heißt es für die Dorfmusikanten und Dorfmusikantinnen: "Wer feiern kann, der kann auch spielen!" Schön ist: Der Kirchtag geht immer ohne größere Probleme über die Bühne und man nimmt viel Geld ein, wovon ein Teil gespendet wird. Am Pfingstwochenende steht dann jedes Jahr der dreitäge, berühmt-berüchtigte Zechausflug an, auf den sich alle Mitglieder freuen.

Heuriger Kirchtagstermin: 25.08.2019; Nachkirchtag: 31.08.2019

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